VDL_RAPPORT_ANALYTIQUE_08_2021_13_12

678 DE SITZUNG VOM MONTAG, DEM 13. DEZEMBER 2021 Stabilisierung des brüchigen Untergrunds sind 16.600 Tonnen Beton erforderlich. Um die CO2-Emissionen für die Produktion der Materialien der Brücke zu kompensieren, müssten allein täglich ein paar hundert Personen ihr Auto zu Hause lassen und sich mit dem Fahrrad oder zu Fuß über die Brücke zur Arbeit begeben. Ist das wahrscheinlich? Da keine Umfrage durchgeführt wurde, gibt es auf diese Frage zurzeit keine Antwort. Der Bau der Brücke bedeutet auch einen starken Eingriff in die natürlich gewachsenen Grünzonen auf beiden Seiten: Zwischen 40 und 60 Bäume müssen abgeholzt werden. Auch die Fauna wird nachhaltig gestört. Die Beleuchtung der Brücke wird als Pluspunkt hervorgehoben. Mit einer Beleuchtung geht aber einher, dass die Nachtruhe vieler Tiere nachhaltig gestört wird bzw. Tiere, die nachts jagen, verdrängt werden. Im Schreiben von Ministerin Dieschburg heißt es, die Brücke falle nicht unter die gesetzlichen Auflagen einer Umweltimpaktstudie, da sie nur für sanfte Mobilität zugänglich sei und sie somit im Betrieb keine großen Auswirkungen generiere. Müssen die Umweltbedenken in diesem Falle nicht in Betracht gezogen werden? Muss das Kosten-Nutzen-Verhältnis, insbesondere im Bereich der Umwelt, nicht korrekt abgewogen werden, wenn es darum geht, eine Freizeitattraktion für Fahrradbegeisterte zu schaffen? Dies sind keine nebensächlichen Fragen! Im Folgenden möchte ich noch auf die Auswirkungen des Bauprojektes auf das Wohlbefinden der Neudorfer Einwohner eingehen, besonders jener Menschen, die in der Nähe der zukünftigen Brücke wohnen werden. Nach der Straßenbaustelle in der Rue de Neudorf, die von 2006 bis 2021 dauerte, würden die Einwohner dieses Viertels erneut mit einer Baustelle belastet, um dann später diese Brücke über ihren Köpfen zu haben, samt aller Gefahren, die davon ausgehen können. Durch den Bau der Brücke werden die Häuser der Einwohner an Wert verlieren. Den Einwohnern des Stadtteiles Neudorf wird gesagt, sie würden auch von der Brücke profitieren, da sie mit dem Aufzug nach Weimershof und Kirchberg gelangen könnten. Hier gilt die Frage: Wer in Neudorf wird den Aufzug nutzen, um auf Kirchberg einzukaufen oder um sich zur Arbeit zu begeben? Wir wissen es nicht, da keine Umfrage durchgeführt wurde. Die Antwort wird wohl lauten: sehr Wenige, verlangt man doch implizit von den Einwohnern des Stadtteiles Neudorf, dass sie mit dem Fahrrad inmitten des rollenden Autoverkehrs bis zum Aufzug fahren. Zumindest eine Fahrradpiste hätte man ihnen anbieten können. déi Lénk fordern ohnehin einen solchen Radweg, dies unabhängig vom Bau der Brücke. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass man vom Standort der geplanten Brücke aus, wenn man sich denn traut, inmitten des Verkehrs mit dem Rad unterwegs zu sein, auf der bestehenden Straße innerhalb von 12 Minuten mit einem Elektrofahrrad nach Kirchberg gelangt. Mit dem Bus geht es noch schneller. Über die geplante Brücke würde es länger dauern. Der neben dem Aufzug geplante Spielplatz wird 145 qm groß sein und damit deutlich kleiner als der ehemalige Spielplatz (510 qm) ausfallen. Demnach auch hier kein guter Tausch für die Einwohner des Stadtteiles Neudorf, wo es wenig Spielmöglichkeiten für Kinder gibt. déi Lénk können das vorliegende Projekt nicht mittragen, dies obwohl wir uns stets für die Förderung der sanften Mobilität einsetzen. Es fehlen Zahlen über die potenziellen Nutzer. Zudem vermissen wir die notwendige Fahrradinfrastruktur. Wir werden uns beim Votum enthalten. Rätin Linda GAASCH (déi gréng): Nachdem Kollegin Claudie Reyland auf die Entwicklung des Projektes eingegangen ist, werde ich mich mit den technischen Informationen beschäftigen, die wir in der Kommission erhalten haben. Vorweg möchte ich mein Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, dass uns Gemeinderäten nicht immer bei allen Projekten alle Unterlagen vorliegen oder falls Dokumente vorliegen, diese entweder hunderte von Seiten haben oder aber die Informationen sehr spärlich sind. Ich würde mir wünschen, dass wir immer Zugang zu sämtlichen Informationen hätten, um uns, bevor wir zum Votum schreiten, eine Meinung bilden zu können. Im Gegensatz zu Rat Foetz bin ich nicht der Ansicht, dass die Fußgänger- und Radfahrerbrücke als reine Freizeitattraktion gesehen werden kann. Es ist durchaus möglich mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit oder zur Schule zu fahren bzw. zu gehen, wenn ein sicherer und bequemer Weg dorthin zur Verfügung steht. Die Brücke wird 200 m lang sein und eine Nutzfläche mit einer Breite von 4,5 m aufweisen. Ein Aufzug, der im Bereich der ehemaligen Spielschule entsteht, wird das Viertel Neudorf mit dem Stadtteil Weimershof verbinden. Beim Aufzug wird ein Spielplatz mit Bänken und Bäumen angelegt. Auch eine Vél’oh-Station wird dort eingerichtet. Im Aufzug finden bequem 8 Fußgänger und 4 Radfahrer samt Fahrrädern Platz. Selbstverständlich ist der Aufzug so gebaut, dass er auch mehr Gewicht aushalten kann. Auch Cargo-Bikes können mit in den Aufzug genommen werden. Im Stadtteil Weimershof erfolgt der Zugang zur Brücke über die Rue des Bleuets und im Stadtteil Cents wird die Brücke an die Rue Tawioun anschließen. Das Rad an den öffentlichen Transport anbinden, zu Fuß gehen fördern, die Stadtteile besser anbinden, Menschen zusammenbringen: Das Projekt einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke bringt uns einen Schritt voran. Vom Standort Neudorf aus werden die Stadtteile Cents und Kirchberg - und damit auch Coque, MUDAM, Universität, Nationalbibliothek, Einkaufszentrum usw. - schnell und bequem zu erreichen sein. Das Projekt hat auch Fragen aufgeworfen und auch unsere Partei hat Schreiben von besorgten Bürgern erhalten. In der technischen Kommission habe ich verschiedene dieser Fragen aufgeworfen. In der Kommission haben wir Informationen über den Schutz von Fauna und Flora imUmfeld der geplanten Brücke erhalten. Ein Fledermaus-Screening sowie Felduntersuchungen über die Vögel und über die Haselmaus wurden durchgeführt. In der Kommission wurde uns mitgeteilt, dass verschiedene Studien obligatorisch seien, diese durchgeführt wurden und ein positives Gutachten vorliege. In der Kommission wurde die Problematik der Beleuchtung angesprochen und darauf hingewiesen, dass man besonders darauf achten müsse, Lichtverschmutzung (Strahlung nach oben und nach unten) zu verhindern. Wir haben erfahren, dass ein Spezial-Projektor zum Einsatz kommen soll, der eine sanfte Beleuchtung erlaubt. Da es bei einer Baustelle im Neudorf Probleme in Bezug auf die Bodenbeschaffenheit gegeben hat, wurde auch die Frage nach der Bodenstabilität im Zusammenhang mit dem Bau der Brücke aufgeworfen. Uns wurde erklärt, dass damals die Situation eine andere gewesen sei. Im Rahmen erwähnter Baustelle wurden Wasserkollektoren verlegt. Wohl seien vorher Studien durchgeführt worden, doch aufgrund der Ausdehnung der betroffenen Fläche habe man die Ereignisse nicht vorhersehen können. Im Rahmen des Brückenbau-Projektes seien an den präzisen Standorten geotechnische Bohrungen durchgeführt worden. Diese Bohrungen würden die Grundlage für die Berechnung der Ausmaße der Fundamente darstellen. ImZusammenhangmit der FragenachResonanzschwingungen wurde uns versichert, dass es einen „confort maximal“ gebe, sprich der Fußgänger die Schwingungen nicht spüren werde.

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