VDL_RAPPORT_ANALYTIQUE_08_2021_13_12

676 DE SITZUNG VOM MONTAG, DEM 13. DEZEMBER 2021 die Autobahnbrücke zu koppeln, wird aufgeworfen. Zu einem bestimmten Moment wird die Idee vorgebracht, dass auch Busse und Krankenwagen über die Brücke fahren können müssten. Die Einwohner der Stadtteile Cents und Neudorf wollen dies nicht. Kurzum: Das Projekt wird ausgebremst. In all den Jahren stehen déi gréng hinter dem Projekt, dies im Sinne einer Förderung der sanften Mobilität. déi gréng wollen einen Mentalitätswandel herbeiführen. Damit es zum einem solchen Mentalitätswandel kommt, müssen die entsprechenden Infrastrukturen angeboten werden. In ihrer ursprünglichen Version war die Brücke nicht so filigran wie in der aktuellen Version, deren Umsetzung wir heute hoffentlich zustimmen werden. Das initiale Projekt sah eine Brücke mit schweren Betonpfeilern vor - eine schwerfällige Brücke vor, die sich nicht so respektvoll wie die jetzt geplante Brücke in die Landschaft eingefügt hätte. In einer weiteren Bürgerversammlung wurden viele Fragen aufgeworfen. Wird der Aufzug 24/24 Stunden in Betrieb sein? Kriminalität war ein Anliegen der Bürger. Auch befürchteten sie, dass Objekte, von der Brücke geworfen werden und Schaden anrichten. Damals gestellte Fragen sind für viele Bürgerinnen und Bürger in den verschiedenen Stadtteilen zum Teil noch heute aktuell. In der technischen Kommission haben wir Antworten auf diese Fragen erhalten. Wir schreiben das Jahr 2017: neue Architekten, neues Projekt. Die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke ist als Hängebrücke konzipiert. Less is more! Die Hängebrücke soll das Tal in direkter Nachbarschaft zur ehemaligen Spielschule passieren. Der Aufzug soll im Bereich der Neudorfer Kirche entstehen. In der Bürgerversammlung, die zur Vorstellung des neuen Konzeptes stattgefunden hat, wurde festgehalten, dass Aufzug und Brücke zusammengehören. 2019: Bürgerversammlung im Stadtteil Cents. Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwei Varianten werden vorgestellt. Der Standort Brücke mit Aufzug im Bereich der Neudorfer Kirche hat sich als nicht so günstig herausgestellt. Die Brücke dürfe nicht über die Kirche führen. Diese Variante hätte einen wesentlich größeren Eingriff in ein sensibles Biotop zur Folge als die andere Variante. Die zweite Variante sieht eine filigrane Hängebrücke, sowie den Bau eines Aufzuges vor, der in Höhe der ehemaligen Spielschule in Neudorf entstehen soll. Die zweite Variante findet an dem Abend großen Anklang und ich kann nur hoffen, dass mit dem Bau der zurückbehaltenen Variante, die heute zur Abstimmung steht, so schnell wie möglich begonnen werden kann. Kostenvoranschlag: 24 Millionen Euro. Viel Zeit ist in all den Jahren verloren gegangen, weshalb das Projekt schnellstens umgesetzt werden muss. Die Realisierung der Fußgänger- und Radfahrerbrücke stellt ein wichtiges Puzzlestück im globalen Radwegenetz für die Stadt Luxemburg dar. Die Brücke ermöglicht eine perfekte Verbindung zwischen den Stadtteilen Cents und Kirchberg, vom Stadtteil Neudorf hoch auf die Kirchbergebene, wo Radfahrer anschließend die gesicherte Velo-Route, die entlang der Trambahntrasse führt, benutzen können. Radwege sollen sicher „en site propre“ verlaufen. déi gréng wünschen sich eine sichere Anbindung der Velo-Route Kirchberg an den Stadtteil Limpertsberg, so dass Jugendliche auf einem Radweg durch die Avenue Pasteur bis zu den verschiedenen Schulgebäuden fahren könnten. Ist im Rahmen des Teilbebauungsplanes „Villeroy&Boch“ der Bau eines Aufzuges vorgesehen? Ist im Rahmen des Wohnungsbauprojektes „Route d’Arlon“ eine Radverbindung zwischen dem Rollingergrund und der Route d’Arlon vorgesehen? Wo sind die Überlegungen zur Schaffung einer Radverbindung von Hamm nach Pulvermühle dran? Welches sind die Pläne im Sinne einer Verkehrsberuhigung der Stadtteile und einer Anbindung der Stadtteile an die Hauptradwegachsen? Die Radfahrer- und Fußgängerbrücke Cents/Neudorf/Weimershof ist ein wichtiger Baustein in einem globalen Konzept dar. Leider fehlt es vielerorts noch an einer guten Fahrradinfrastruktur. Dies zu schaffen ist auch in einer Festungsstadt möglich. Rat Tom KRIEPS (LSAP): Ich kann diese Diskussion nicht führen, ohne auf die Faszination der Menschheit für Brücken einzugehen. Sie alle kennen die Sprüche „Brücken bringen Menschen zueinander“, „Mehr Brücken, weniger Mauern bauen“. Die Stadt Luxemburg ist in vielen Hinsichten eine Stadt der Brücken. Wir können uns diese Stadt nicht ohne Brücken vorstellen. Die Topographie unserer Stadt macht, dass es bergauf und bergab geht. Der Bau einer Brücke ermöglicht es, schneller von der einen zur anderen Seite der Stadt zu gelangen. Es ist das erste Mal in meiner politischen Laufbahn, dass unsere Fraktion regelrecht mit Schreiben bombardiert wurde, Schreiben, welche uns nahelegten, dem Bau der Fußgänger- und Radfahrerbrücke nicht zuzustimmen. Es ist nicht üblich, dass sich Personen an Gemeinderäte wenden, um sie davon abzuhalten, einem Projekt zuzustimmen. Ich kann nur hoffen, dass dies nicht zu einer Gewohnheit wird. Als Gemeinderäte der Stadt Luxemburg geben wir unser Votum nach bestem Wissen und Gewissen ab. Politik ist kein Schönheitswettbewerb, wo man gefallen will. Es geht um Entscheidungen, die getroffen werden müssen - Entscheidungen, welche den einen gefallen und anderen nicht. Unser Kollege Marc Angel hat sich immer für eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke Cents/Neudorf/Weimershof eingesetzt. Kollege Angel war im Vereinsleben des Stadtteiles Neudorf aktiv und er hat das Projekt stets verteidigt. Das war nicht immer einfach, da es auch viel Kritik gegeben hat. Die Struktur der geplanten Brücke ist elegant und filigran. Über den Standort, wo die Brücke das Viertel Neudorf passiert, und die Standorte, wo die Überführung endet, gibt es viel zu sagen. Es gibt die Kritik, dass hier Stadtteile über Standorte, die nicht sehr günstig sind, miteinander verbunden werden. Und auch hier, kann man immer versuchen, Dinge besser zu machen. Was mir jedoch schlechte Laune macht und es mir nicht leicht macht, eine Entscheidung zu treffen, ist der Mangel an Transparenz, auch gegenüber den Gemeinderatsmitgliedern. In der Kommission wurde die Frage nach einer Impaktstudie auf die Natur, u.a. auf die Vogelwelt in dem Gebiet aufgeworfen. Es wurde uns mitgeteilt, dass zwei Studien durchgeführt worden seien. Es stellt sich jedoch das Problem, dass die Ergebnisse der beiden Studien nicht in dem uns zur Einsicht vorliegenden Dossier enthalten sind. Dies finde ich nicht in Ordnung. Wenn die Stadtverantwortlichen sich Einstimmigkeit beim Votum wünschen, sollte auch alles getan werden, damit eine Entscheidung in diesem Sinne nicht so schwerfällt. Da wir nicht über alle Elemente verfügen, würde mich dies normalerweise dazu verleiten, mich beim Votum zu enthalten. Weil das Projekt jedoch eine lange Zeit der Reifung durchlaufen hat, unsere Fraktion das Projekt von Anfang an unterstützt hat, und ich der festen Überzeugung bin, dass Brücken zu bauen sinnvoll ist - selbst wenn sie nicht unbedingt am richtigen Standort stehen oder Anfang- und Endpunkte der Brücke nicht optimal sind -, meine ich, dass es letztendlich besser ist, das uns vorliegende Projekt zu unterstützen. Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass es besser gewesen wäre, wenn die ornithologische Impaktstudie im Dossier gelegen hätte und ich mich als Gemeinderat hätte davon überzeugen können, dass sich keine Probleme für die Vogelwelt stellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Beschwerden gegen das heutige Votum eingereicht werden. Eine Kompromisslösung

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