VDL_RAPPORT_ANALYTIQUE_07_2021_10_12

606 DE SITZUNG VOM FREITAG, DEM 10. DEZEMBER 2021 In ihrem Bericht geht Berichterstatterin Elisabeth Margue auf die Indikatoren für ein „Bruttoinlandsprodukt des Wohlergehens“ ein. In seinem Bericht aus dem Jahre 2018 hat das Statistische Amt darauf hingewiesen, dass das Wohlergehen der Menschen immer länger als das Bruttoinlandsprodukt braucht, um sich von einer Krise zu erholen. Auch wenn wir uns darüber freuen können, dass sich die makroökonomische Situation in Luxemburg und unser Bruttoinlandsprodukt erholen werden - alle Zahlen deuten darauf hin- -, ist es wichtig, dass wir als Stadt uns bewusst sind, dass das Wohlergehen der Menschen, die in unserer Stadt leben, länger braucht um sich von der Krise zu erholen. Es wäre demnach interessant, sich als Stadt längerfristig mit der Thematik „Wohlergehen der Menschen“ und „Bruttoinlandsprodukt Wohlergehen“ zu beschäftigen. Die Gemeinde Mertzig hat sich als erste Gemeinde des Landes als Gemeinwohlökonomie-Gemeinde eintragen lassen. Die Gemeinde hat sich die Kriterien der Gemeinwohlökonomie zugrunde gelegt, um zu prüfen, wie man sich aufstellt, um dem Gemeinwohl der Bürger und dem Gemeinwohl des Systems Gemeinde entsprechen zu können. Eine Gemeinde hat eine Reihe von Aufgaben und Verpflichtungen (Sicherheit, Hygiene, Schule, Energieversorgungssicherheit, ...). Es gibt aber auch eine Reihe von fakultativen Bereichen, in die eine Kommune frei ist zu investieren (Freizeit, Kultur, Altersheime, Spielplätze, usw.). In Bezug auf die Frage nach einem „bien-être durable“ nennt der Statec-Bericht 2020 eine Reihe von Komponenten, die zum Wohlbefinden beitragen : „la mise en place d’espaces verts, de zones piétonnes, de sentiers pédestres et de pistes cyclables ; la mise à disposition de transports publics de bonne qualité, l’amélioration des conditions de la marche à pied dans les quartiers et la réduction de l’utilisation des moyens de transport privés “, Initiativen, welche den Menschen größere Möglichkeiten, um soziale Beziehungen weiter zu entwickeln und Kontakte zu knüpfen, Aspekte, die ebenfalls zum Wohlbefinden beitragen. Wir stellen fest, dass die Stadt Luxemburg bereits in genannten Bereichen aktiv ist. Dies ist als gutes Zeichen zu werten. Überträgt man die Indikatoren des Wohlergehens auf eine Gemeinde wie die Stadt Luxemburg, gilt es zwei Dinge zu beachten: Nicht jeder Mensch hat die gleichen Startchancen im Leben. Jeder Mensch hat dasselbe fundamentale Recht, seinen Bedürfnissen nachzukommen. In diesem Zusammenhang ist es mir wichtig, erneut auf die Wichtigkeit der Sozialpolitik in der Stadt Luxemburg hinzuweisen. In unserer Sozialpolitik steckt viel Dynamik, viele Projekte werden umgesetzt oder sind in Planung. Ebenso wie Elisabeth Margue, möchte auch begrüßen, dass die Stadt Luxemburg ihren Bestand an Sozialwohnungen vergrößert. Welche Planungen gibt es in diesem Bereich für die kommenden Jahre? Den Aspekt des Gemeinwohls auf eine Stadt zu übertragen, heißt ebenfalls zu berücksichtigen, dass sich eine Stadt aus Stadtteilen zusammensetzt und es Ziel ist, jedes Stadtviertel dorthin zu führen, dass die Einwohner eines Viertels Gemeinwohl dort erleben. In diesem Zusammenhang möchte ich erneut auf die Wichtigkeit des „Sozialmonitoring“ hinweisen, welches uns stadtteilbezogen eine Reihe von interessanten und wertvollen Informationen liefern wird. Eine wichtige Bedeutung in diesem Zusammenhang kommt auch dem lokalen Handel, sowie den Grünflächen zu. Rätin Bock ist auf die Bedeutung von Bäumen, Parkanlagen eingegangen. Die Stadt Luxemburg ist sich dieser Wichtigkeit bewusst und handelt. Unser Stadtzentrum ist schön und lockt viele Besucher in die Stadt. Die Stadt ist ein beliebter Treffpunkt. Daher sind Initiativen, wie die Förderung von Pop-up-Stores und die Unterstützung der Geschäftsleute in der Oberstadt und im Bahnhofsviertel während der Pandemie wichtig und richtig. Das Stadtzentrum muss lebendig bleiben, zusammen mit den Menschen, die hier wohnen. Die Bürger sollen Wohlergehen in ihrem Stadtteil so erleben, dass es ihnen gut geht und sie sich dort wohl fühlen. Was brauchen wir, um gut in der Stadt zu leben? Wann leben wir gut in der Stadt? Ich lebe gut in einer Stadt, wenn ich in der für mich gewählten Lebensform (Familie mit oder ohne Kinder, als Single, ...) ein würdiges und zufriedenes Leben führen kann. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um belobigend hervorzuheben, dass die Stadt Luxemburg Grundstücke erwirbt, dass sie selbst Akteur ist, um unsere Stadt zu gestalten. Es entstehen neue Wohnviertel, die so gebaut und gestaltet werden, dass Menschen sich dort wohl fühlen können. Der Einbindung der Bürger in eine Dynamik der Entscheidungen, darüber wie ein Stadtteil aussehen soll, kommt in diesem Zusammenhang eine wichtige Bedeutung zu. Als Kind lebe ich gut in einer Stadt, wenn ich spielen kann, ich betreut werde. Als Jugendlicher lebe ich gut in einer Stadt, wenn ich zur Schule gehen, ich meine Freizeit genießen kann, ich Sport treiben, Musik machen kann oder mich in einer Vereinigung einbringen kann. Auf all dies und wie die Stadt ihren Beitrag leistet, wird im Budgetbericht eingegangen. Was die Entwicklung der Sportinfrastrukturen angeht, würde ich mich freuen, Näheres über die Strategie zu erfahren, welche sich die Stadt für die kommenden Jahre geben will. Die gleiche Frage stellt sich für die Schulinfrastrukturen. Als Erwachsener lebe ich gut in einer Stadt, wenn ich Arbeit habe, ich mobil bin, ich mich erholen und Neues kennenlernen kann. In diesem Zusammenhang möchte ich erneut die Anstrengungen der Stadt Luxemburg im Bereich „Smart City“ im Sinne eines einfachen und schnellen Zugangs zu Informationen hervorheben. Die Stadt Luxemburg gestaltet Grünflächen, Spielplätze, damit Menschen sich hier treffen und wohl fühlen können. Wir unterstützen den Beitritt der Stadt Luxemburg zum interkommunalen Syndikat „Minettkompost“, die Förderung der sanften Mobilität. In Bezug auf die Busflotte unterstützen wir die Überlegung eines Umstiegs auf wasserstoffgetriebene Busse. Die neuen Technologien bieten neue Möglichkeiten. Als älterer Mensch lebe ich u.a. gut in der Stadt, wenn das urbane Umfeld so gestaltet ist, dass ich mich auch als älterer Mensch „frei“ im Sinne von „Design for all“ in der Stadt bewegen kann. Unsere Fraktion unterstützt alle Bemühungen der Stadt Luxemburg im Sinne einer lebenswerten Stadt für alle. Als Stadt gilt es wachsam zu bleiben und dafür Sorge zu tragen, dass eine Stadt auch für ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität im Alltag zugänglich bleibt. Die Bemühungen der Stadt Luxemburg, das Ziel einer CO2neutralen Stadt zu erreichen, haben unsere volle Unterstützung. Subsidien zur energetischen Sanierung von bestehenden Gebäuden werden zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs beitragen. Das „Bruttoinlandsprodukt des Wohlergehens“ ist ein guter Ansatz, um dabei zu helfen, eine Stadt gut zu planen und eine gute Gemeinschaft zu schaffen. Wenn ich die Ehre habe, standesamtliche Eheschließungen vorzunehmen, stelle ich immer wieder fest, wie international unsere Stadt ist und wie wichtig es ist, dass all diese Menschen in dieser Stadt gut zusammenleben können. Wie in ausländischen Städten, besteht auch bei uns die Gefahr, dass sich Parallelgesellschaften entwickeln, weil sich die verschiedenen Gemeinschaften an verschiedenen Orten treffen. Nimmt man das Bruttoinlandsprodukt des Gemeinwohls als Ausgangspunkt, wäre es interessant, sich bewusst und proaktiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie wir als Stadt dazu beitragen können, dass die vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft sich bewusster begegnen können. Eine „Stad fir jiddereen“ bedeutet auch Integration von

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