VDL_RAPPORT_ANALYTIQUE_07_2021_10_12

622 DE SITZUNG VOM FREITAG, DEM 10. DEZEMBER 2021 dass viele Menschen das Angebot dennoch nicht nutzen. Daher mein Vorschlag, einen Appell an jene Vereinigungen zu richten, die möglicherweise die Rolle eines Vermittlers übernehmen könnten, um Kunst und Kultur auch für diese Menschen zugänglicher zu machen. Das Projekt „Hariko“ hat die Stadt verlassen. Ich appelliere an den Schöffenrat, der dies zugelassen hat, alles Mögliche zu unternehmen, um der Vereinigung CEPA dabei behilflich zu sein, mittelfristig eine Unterkunft auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg zu finden, damit die Vereinigung hierbleiben kann. Es ist zu begrüßen, dass im Budget 2022 Gelder für eine neue Zweckbestimmung für den ehemaligen Schlachthof in Hollerich vorgesehen ist. Wissend, dass neue Wohnviertel im Umfeld entstehen werden, wäre es wichtig darauf zu achten, dass hier nicht nur ein Kulturzentrum, sondern eine offene Struktur mit einem kulturellen und sozialen Impakt entsteht, eine Struktur, die sich weiter entwickeln kann. Im Rahmen des Projektes „Esch/Alzette, Kulturhauptstadt 2022“ haben sich verschiedene kulturelle Initiativen entwickelt, Initiativen auf die man neidisch sein kann. Ich meine, dass es in der Stadt Luxemburg weitere Anstrengungen braucht, um einen kreativen Hub auf die Beine zu stellen und dafür Sorge zu tragen, dass Kulturschaffende nicht in die Minette-Gegend abwandern und ihr künstlerisches Schaffen weiterhin der Stadt Luxemburg zugutekommen kann. Rätin Bock hat davon gesprochen, Kunst zu nutzen, um den öffentlichen Raum aufzuwerten. Ich kann diese Meinung nur teilen. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass Kunst nicht mit Dekoration gleichgesetzt werden kann. Zur Aufwertung des öffentlichen Raumes kann man sicherlich auch auf Kunst zurückgreifen, nichtsdestotrotz muss Kunst immer die Freiheit des freien Schaffens haben. Ich möchte meine Intervention mit einem Lob schließen und damit den Bogen von unserem Wohlbefinden zum Wohlbefinden von Menschen, die im globalen Süden leben, spannen. Ich habe mit großer Freude im Budget 2022 gelesen, dass der Betrag für Entwicklungshilfe um 20% im Vergleich zum Budget 2021 erhöht wurde. Es freut mich, dass damit einer Forderung von déi gréng Rechnung getragen wurde, dies auch vor dem Hintergrund, dass die Auswirkungen von Pandemie und Klimakrise den Partnerorganisationen der Nichtregierungsorganisationen zu schaffen machen und sie unsere Unterstützung brauchen. Im Rahmen der Begehung des Menschenrechtstages möchte ich der Stadt Lob dafür aussprechen, dass sie im Rahmen des Gesetzes zur Vergabe öffentlicher Aufträge die ihr zur Verfügung stehenden Mittel genutzt hat, um für die Neugestaltung des „Knuedler“ auf Steine zurückgreifen zu können, die nicht aus Steinbrüchen stammen, in denen es Kinderarbeit und Sklavenarbeit gibt. déi gréng wünschen sich mehr Initiativen, um das Zusammenleben in den Stadtteilen zu fördern, mehr Sicherheit und mehr Wohlbefinden im Kontext von Schule und Schulfoyer, weiterhin eine starke Sozialpolitik, konsequentere Anstrengungen im Bereich der Prävention sowie die Förderung von Kunst und Kreativität in der Stadt. Dies alles sind wesentliche Elemente des Wohlbefindens der Bürger dieser Stadt. Bei den Dienststellen, welche die Programme umsetzen müssen, möchte ich mich bereits vorab bedanken. Rätin Claudie REYLAND (déi gréng): Vorab möchte ich mich bei Rätin Margue für den Budgetbericht bedanken. Das Thema Wohlempfinden ist in der Tat relevant. Den Worten des Dankes an Frau Castagna und den Finanzdienst schließe ich mich an und bedanke mich auch für all die Antworten, die sie auf unsere Fragen gegeben haben. Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Chancengleichheit für alle Menschen. Ist dies nicht essentiell für das Gemeinwohl? Ungleichheit führt zu einem Unwohlsein in der Gesellschaft. Ich nutze die Gelegenheit, um mich bei der Dienststelle zuständig für Chancengleichheit und bei allen Akteuren zu bedanken, die in diesem Bereich auf dem Territorium der Stadt Luxemburg tätig sind. Man könnte endlos über die Chancengleichheit reden. In der heutigen Debatte wurde das Thema Chancengleichheit nicht viel thematisiert. Ich möchte ein Projekt hervorstreichen, das auf pertinente Art und Weise zeigt, wie wichtig auch Dinge, die auf den ersten Blick klein erscheinen, Chancengleichheit voranbringen können. Stereotypen, Stigmatisierungen können ausgeräumt werden. Im Jahr 2019 wurde der AnneBeffort-Preis an die Vereinigung „Voix de jeunes femmes“ verliehen. Diese Vereinigung hat sich für eine Herabsetzung der Mehrwertsteuer auf Hygieneartikel für Frauen eingesetzt und war maßgeblich daran beteiligt, dass dieser Forderung Rechnung getragen wurde. Im Jahr 2020 wurden im Rathaus der Gemeinde Walferdingen Automaten mit kostenlosen Hygieneartikeln aufgestellt. Soeben hat mich ein Foto vom ersten Automaten erreicht, der in den kommenden Tagen im Rathaus der Stadt Luxemburg installiert werden soll. Bravo! Solche Automaten sollen demnächst auch landesweit in Lyzeen installiert werden. Diese Initiative hilft nicht nur, dass finanziell und sozial schwachen Menschen wichtige Hygieneartikel gratis zur Verfügung gestellt werden, sondern trägt auch dazu bei, dass Tabus, Stigmatisierungen ausgeräumt werden. So litten Frauen lange unter dem Stigma der Unreinheit. Im Jahr 2001 löste die Skulptur „Lady Rosa of Luxembourg“ - eine schwangere Version der „Gëlle Fra“ - einen Skandal aus. 1995 wurde die Skulptur „Clarice“, eine „Nana“-Statue von Nikki de Saint Phalle, unter einer Plane versteckt. Kunst im öffentlichen Raum, Kunst näher an die Menschen bringen. Kunst für alle. Orte der Gemeinschaft in den Stadtteilen. Kunst zugänglich für alle. Kunst ist nicht grundsätzlich schön oder dekorativ. Kunst hat Kraft, macht eine Aussage. Kunst vermittelt Botschaften. Die Skulpturen „Clarice“ und „Lady Rosa of Luxembourg“ vermitteln eine klare feministische Botschaft. Die Reaktionen auf diese Skulpturen sind ein Beispiel für Intoleranz und ungleichem Behandeln von Frauen. Schockiert eine schwangere Frau? Ist Fruchtbarkeit unrein? „Moi, je suis Rosa.“ Und noch lieber würde ich sagen: „Nous, nous sommes Rosa“. Gewalt gegen Frauen, die Unterdrückung von Frauen, sie als Kriegswaffen zu benutzen - wie weit dies alles gehen kann und wie schnell Errungenschaften wieder verloren gehen können, zeigt sich am Beispiel der Frauen in Afghanistan. Wir dürfen nicht lockerlassen und müssen immer wieder an den erreichten Fortschritten und an den Fortschritten, die es im Bereich der Gleichheit zwischen allen Menschen noch zu erreichen gilt, arbeiten. Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, Gleichberechtigung für alle Menschen ist nicht selbstverständlich. Vor dem Hintergrund der brutalen und nicht hinnehmbaren Geschehen, die in der ganzen Welt, aber auch in unserer Stadt eintreten, sehen wir, wie wichtig Erziehung und Werte wie Respekte und Toleranz sind. Die Gleichheit zwischen allen Menschen ist definitiv ein wichtiger Faktor für Wohlbefinden in einer Gesellschaft. Der Personalbestand der Stadt Luxemburg ist um 18 Prozent gestiegen. Das Wachstum der Bevölkerung der Stadt Luxemburg liegt bei 28,78 Prozent. Der Personalbestand der Gleichstellungsdienststelle der Stadt Luxemburg ist seit Jahren der gleiche. Ich komme daher zurück auf das, was ich bereits vergangenes Jahr anlässlich der Budgetdebatten und auch in der Finanzkommission gesagt habe: Lasst uns die Mittel zur Erreichung der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen an die realen Bedürfnisse anpassen und

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