VDL_RAPPORT_ANALYTIQUE_07_2021_10_12

614 DE SITZUNG VOM FREITAG, DEM 10. DEZEMBER 2021 wir nicht 200 oder 300 Prozent mehr in die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum investieren? Wir sollten nicht nur reagieren, sondern antizipieren und eine Vorreiterrolle im Sinne von Inklusion und Diversität übernehmen. Es steht außer Frage, dass die Spannungen am Immobilienmarkt in Luxemburg groß sind. Als Stadt Luxemburg sollten wir mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, gegensteuern, nicht um den Markt zu bekämpfen, sondern um ein zusätzliches Wohnungsangebot zu schaffen. Die Stadt Luxemburg verfügt über die nötigen finanziellen Mittel und die Ambitionen der Stadt sollten sich auch im Budget widerspiegeln. Ich will die Investitionen, die im Budget eingeschrieben sind, damit nicht schlecht machen, ich bin jedoch der Ansicht, dass sie nicht ausreichen und die Finanzen der Stadt Luxemburg es zulassen, mehr in die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum zu investieren. Es war von der Unterstützung des Handels die Rede. Welches Umfeld braucht der Handel? Der Handel braucht Menschen. Ohne Menschen kein Handel! Mir liegt es fern, Bürger nur als Kunden zu sehen, nichtsdestoweniger braucht es Familien, junge Leute, mit denen Leben in die Stadt einzieht. Nichts ist trauriger als eine Stadt, die abends leer ist. Die Situation wäre sicherlich eine andere, wenn wir 1.500 oder 2.000 jungen Menschen Mietwohnungen oder bezahlbare Wohnungen anbieten könnten. Hier gilt es die Hebel anzusetzen und im Budget der Stadt Luxemburg die nötigen finanziellen Mittel hierfür vorzusehen. Ziel der Stadt Luxemburg sollte es sein, auf einem kommunalen Baugrundstück 15 bis 20 Wohnungen à 25 bis 50 qm zu bauen und diese Wohnungen zu einem erschwinglichen Mietpreis anzubieten. Dies bedeutet auch, dass wir darüber diskutieren müssen, wie wir eine bezahlbare Miete definieren. Wir könne sie jedenfalls nicht im Verhältnis zu einem Markt definieren, der vollständig von den Realitäten von Normalverdienern losgelöst ist. Im Zusammenhang mit der Entwicklung von Stadtteilen müssen wir auch alles in unsere Überlegungen einbeziehen, was dazu beiträgt, den sozialen Zusammenhalt zu fördern. Zu den großen Fundamenten unserer Gesellschaft zählen die Schulen. Wir müssen den Trend, dass immer mehr Kinder private Schulen, anstatt unsere öffentliche Schule besuchen, umkehren. Diese Feststellung wirft die Frage nach den Ursachen für diese Entwicklung auf. Fehlt es der öffentlichen Schule an Attraktivität? Ist das Angebot der privaten Schulen viel besser? Welche Hebel können wir als Stadt aktivieren, um gegenzusteuern? Auch Maßnahmen, die wir im Sinne einer Stärkung der sanften Mobilität in den Stadtteilen ergreifen, sind ein solcher Hebel. Die öffentliche Schule soll attraktiver werden. Mehr Sportinfrastrukturen tragen zu bei, dass Eltern ihre Kinder nicht von einem Viertel ins andere fahren müssen, damit ihr Kind eine bestimmte Sportart ausüben kann. Eine Optimierung in diesem Bereich hätte zudem positive Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen in den Stadtteilen. Welches sind die Ambitionen der Stadt Luxemburg in Bezug auf Kinderkrippen und Schulfoyers? Wir sollten uns nicht mit dem Bestehenden zufriedengeben, sondern die Ambition haben, erster Anbieter von öffentlichen Kinderkrippen auf dem Territorium der Stadt Luxemburg zu sein, um innerhalb eines Stadtteiles Angebote zu schaffen, die Inklusion und Zusammenhalt fördern. Mehr Bäume anpflanzen, das Begrünen von Fassaden, sämtliche Vorschläge die im Sinne von Klimaschutz und Biodiversität gemacht wurden, kann ich nur unterstützen. Wichtig ist, dass Taten folgen. Die Stadt Luxemburg sollte die Ambition haben, die Probleme schnell anzugehen, denn die Zeit läuft uns davon. An finanziellen Mitteln fehlt es nicht. Es braucht nun den politischen Willen, um das Tempo der Umsetzung zu beschleunigen. Baustellen gibt es viele auf dem Territorium der Stadt Luxemburg und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Die Stadt Luxemburg wächst weiter. Zu den Aufgaben der Stadt Luxemburg zählt aber auch, dass wir die Bürger, die Geschäftsleute besser über die Bauarbeiten informieren. Wir sollten zusammen im Sinne von Verbesserungen arbeiten. Die Tatsache, dass die Dauer der Bauarbeiten im Bereich „Knuedler“ um einige Monate verkürzt werden kann, zeigt uns: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“. Unserer Fraktion fehlt es nicht am Willen, Verbesserungen herbeizuführen und ich hoffe, dass wir dies gemeinsam schaffen können. Rätin Sylvia CAMARDA (DP): Vorab möchte ich Rätin Elisabeth Margue für ihren ausführlichen Bericht danken. Die Corona-Pandemie hat unsere Lebensgewohnheiten auf den Kopf gestellt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Covid-19-Krise hat uns gezwungen, zu reagieren und unseren Lebensalltag neu zu organisieren. Das Verbrauchsdatum dieser Pandemie ist weiterhin eine Unbekannte. Vielmehr stellen wir fest, dass das Virus sehr einfallsreich ist und sich immer wieder neu erfindet. Vielleicht sollten wir uns davon inspirieren lassen und das alte Gestern als Vergangenheit und das neue Heute als normal ansehen: mehr Raum zwischen den Menschen, mehr Aktivitäten an der frischen Luft, weniger große Gruppen von Personen die sich treffen, Telearbeit, Video-Konferenzen, Bestelldienste und Co. Es freut mich zu sehen, dass die Stadt Luxemburg während der beiden letzten Jahre die Wichtigkeit erkannt hat, sich um das Wohlbefinden seiner Bürger zu kümmern. Ein großes Bravo für die Aktion „d’Stad lieft“. Diese Aktion ist ein gutes Beispiel von gelebter Solidarität. Die schönen Plätze in unserer Stadt wurden mit Leben gefüllt, die Bürger konnten Freude haben ohne den Geldbeutel zu belasten, dies einen ganzen Sommer lang. „d’Stad liest“ oder „City-sounds“ waren weitere Initiativen. Ein weiteres großes Bravo für die neuen Infrastrukturen im Rahmen der Freilicht-Fotoausstellung im Park Merl und die Fotoausstellung auf dem Place Guillaume II. Das „Pimp up“ von Mauern und Fassaden mit coolen Graffitis, mit voran dem „Schluechthaus, im Bereich des Chemin de la Corniche, dem Place Guillaume II und der Grundschule Belair, ist ebenfalls zu begrüßen. Ich stimme Rätin Bock zu, die meinte, dass wir mehr auf Graffitis zurückgreifen sollten. Die zahlreichen Beschilderungen, welche die Kunstwerke unserer Künstler beschriften, zählen ebenfalls zu den lobenswerten Initiativen, die sich in unsere „neue Zeit“ einfügen und vor allem für alle Bürger der Stadt Luxemburg, des ganzen Landes und die Touristen zugänglich sind. Es ist wichtig, den öffentlichen Raum zur Geltung zu bringen. Urbane Kunst gehört in alle Stadtteile. Warum ist es mir wichtig, dass wir uns um so viele Menschen wie möglich kümmern und in unsere Initiativen einbinden? Die Pandemie hat vielen Menschen einen Strich durch ihr Leben, ihre Pläne gezogen. Die Schere zwischen den sozialen Schichten wird immer größer. Das Armutsrisiko hängt wie ein Damokles-Schwert über vielen Köpfen. Man kann spüren, dass die Stadt im Wandel ist. Der Bevölkerungszuwachs, unsere multikulturelle Gesellschaft geben uns ein Gefühl von Großstadt und das ist gut so. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum und sozialen Wohnraum. Es ist erfreulich festzustellen, dass Wohnungen gebaut werden. Doch werden sie reichen? Die Verkehrssicherheit ist ein weiteres wichtiges Anliegen der Stadt Luxemburg. Da ich viel zu Fuß unterwegs bin, würde mich interessieren zu erfahren, wann die Deadline ist, um die non konformen Fußgängerüberwege zu verbessern. Die Sicherung unserer Bürgersteige sollte ein globales Projekt sein, vor allem auch wenn es um die Sicherheit der Fußgänger im Bereich von Baustellen geht. In meiner Wohnstraße gab es eine Baustelle, wo die Breite der für die Fußgänger ausgeschilderten Umleitung nicht ausreichte, um dort mit Hund und Kinderwagen passieren zu können. Ich musste auf die Fahrbahn und dort war der „wilde Westen“ los. Daher ist jede neue Tempo 30-Zone zu begrüßen. Leider müssen wir jedoch feststellen, dass sich Autofahrer in den Hauptverkehrszeiten

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