VDL_RAPPORT_ANALYTIQUE_07_2021_06_12

570 DE SITZUNG VOM MONTAG, DEM 6. DEZEMBER 2021 möchte, dass dies für Bürger, die dies Tag für Tag erleben, eine schwierige Situation ist. Wir müssen also überlegen, wie wir die Arbeit im Bahnhofsviertel, in Bonneweg und auch in anderen Vierteln, zu Strukturen und Projekten weiterentwickeln können, sodass die Bürgerinnen und Bürger sich selbst stärker einbringen wollen. Anlässlich der Bürgerversammlung hat die Polizei darauf hingewiesen, dass sie auch Selbstverteidigungskurse anbietet. Diese Aussage mag man verschieden interpretieren können. Selbstverteidigungskurse sind sicherlich nicht die wichtigste Antwort auf die Probleme, die sich im Bahnhofsviertel stellen, sie können aber ein Teil vom Puzzle sein. Neben der Notwendigkeit einer Dezentralisierung von sozialen Strukturen, gilt es auch in anderen Bereichen unsere Hausaufgaben zu erledigen. Hier wäre der Bereich Urbanismus zu nennen, besonders eine attraktive, auf das Zusammenleben ausgerichtete Gestaltung des öffentlichen Raumes zu nennen. Sowohl in der Bürgerversammlung als auch in der Kommission wurde vorgeschlagen, noch mehr Kultur in die Stadtteile zu bringen, kulturelle Angebote, die sowohl das Interesse der Anrainer als auch von Leuten, die von außen hierherkommen, wecken. déi gréng unterstützen das Projekt „A vos côtés“, aber wir meinen, dass es sich weiterentwickeln sollte. Was das Konzept des Projektes angeht, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Interventionen im Interesse von sehr verletzlichen Personen („personnes à grande vulnérabilité“) erfolgen. In der Kommission wurde uns erklärt, dass viele Interventionen auf Anfrage von Geschäftsleuten erfolgen. Können Geschäftsleute als sehr verletzliche Personen gelten? Erhält der Schöffenrat auch Anfragen dieser Art von Geschäftsleuten aus anderen Stadtteilen? Rätin Ana CORREIA DA VEIGA (déi Lénk): Das Projekt „A vos côtés“ hat seinen Hauptsitz in der Rue de Strasbourg. déi Lénk sind der Ansicht, dass die Stadt Luxemburg mit diesem Projekt den richtigen Weg einschlägt. Die Stadtteile Gare und Bonneweg zählen zu den sensibelsten Vierteln und daher ist es zu begrüßen, dass das Projekt drei weitere Mitarbeiter erhält, das Angebot und die Einsatzzeiten erweitert werden. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um den Schöffenrat daran zu erinnern, dass das Projekt „A vos côtés“ nur ein Teil des Puzzles darstellt. Damit das Bahnhofsviertel wieder mehr Lebensfreude zurückerhält, wäre es wichtig, nicht nur mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern, sondern auch mit urbanistischen Maßnahmen. Über Geschäfte und Restaurants hinaus, muss es auch Angebote geben, die Menschen anziehen und sie dazu bewegen, hier ihre Freizeit zu verbringen. Wir nehmen an Erste-Hilfe-Kursen teil, weil wir davon ausgehen, dass eine Situation eintreten kann, in der wir Menschenleben retten können. Warum dann nicht auch einen Selbstverteidigungskurs besuchen, um zu wissen, wie man aus einer eskalierenden Situation herauskommt? Ich will damit nicht sagen, dass dies die Lösung ist, doch können solche Kurse dazu beitragen, selbstsicherer zu werden. Das ist eine Kompetenz, die immer wichtig sein kann, sei es in Luxemburg oder im Ausland. Eine weitere Maßnahme könnte sein, dass in diesen sensiblen Vierteln die Straßen und Plätze öfters gereinigt werden. Vielleicht sollten auch mehr „Agents municipaux“ der Stadt Luxemburg unterwegs sein - es müssen ja nicht immer Polizisten oder private Sicherheitsagenten sein. Auch die Präsenz von Agenten der Stadt Luxemburg, die für die Bürger durch ihre Uniform mit dem Logo der Stadt zu erkennen sind, kann sich positiv auf das Empfinden der Menschen auswirken. Rätin Brömmel hat es bereits angesprochen: Warum geht man nicht hin und schafft Synergien zwischen Einwohnern, Geschäftsleuten und Restaurantbetreibern? Einmal jährlich findet der „Tag der Nachbarschaft“ statt. Man könnte ein solches Fest zwei- oder dreimal im Jahr organisieren. Die Bürger sollen an Entscheidungen teilnehmen, sagen können, welche Angebote ihrer Meinung nach in ihrem Stadtteil fehlen, damit sie sich wertgeschätzt fühlen, ihnen zugehört wird. Im Bahnhofsviertel spielt das Thema Sicherheit zweifelsohne eine große Rolle, doch auch kulturelle Angebote, Kinderkrippen und andere Strukturen tragen dazu bei, ein Viertel zu beleben. Die Stadt Esch/Alzette hat z.B. graue Mauern mit Graffiti bemalen lassen. Eine solche Maßnahme kann schnell und unkompliziert umgesetzt werden. Wir haben in Luxemburg eine Reihe von Graffiti-Künstlern und andere Künstler, die mit ihrer Kunst Farbe in das Bahnhofsviertel und den Stadtteil Bonneweg bringen können. Schöffe Maurice BAUER: Vielen Dank für das positive Feedback und die Unterstützung für das Projekt „A vos côtés“. Wir sind stolz, dass wir dieses Projekt vor etwa anderthalb Jahren umsetzen konnten, handelt es sich bei dem Projekt doch um einen wichtigen Baustein in der Stadtteilarbeit. Das Projekt ergänzt die Arbeit der 18 Streetworker, die auf dem Stadtgebiet unterwegs sind und mit den Leuten von „A vos côtés“ eng zusammenarbeiten. Wenn die Einwohner, die Geschäftsleute oder die Menschen, die im Viertel arbeiten, den Mitarbeitern von „A vos côtés“ eine Situation melden, setzen diese sich mit den Streetworkern in Kontakt. So z.B., wenn sie einen im Eingangsbereich eines Wohnhauses liegenden Drogenabhängigen finden. Die Streetworker begleiten die drogenabhängige Person in eine soziale Struktur, wo ihr geholfen wird. Dies zeigt, wie die einzelnen Rädchen ineinandergreifen, um im Interesse der Menschen im Bahnhofsviertel und im Stadtteil Bonneweg zu handeln. Auch weitere soziale Akteure, die vor Ort tätig sind, tragen ihren Anteil bei. Rätin Bock hat von „enger sympathescher Ploschter“ geredet. Bei dem Angebot „A vos côtés“ handelt es sich um viel mehr als nur um ein Pflaster, denn es hilft, das Problem an der Wurzel zu packen. Ziel ist es, in einem Verbund mit allen Akteuren, Sozialarbeit zu leisten, um Probleme zu lösen und vielleicht auch neue Perspektiven zu bieten. Diese Angebote haben rein gar nichts mit dem repressiven Bereich zu tun. Sämtliche Einwohner, mit denen ich spreche, wohnen gerne im Bahnhofsviertel, weil es ein lebendiges Viertel ist, wegen der Angebote, die es hier gibt, wegen der Farbenfreude des Viertels, wegen der Atmosphäre eines multikulturellen Viertels. Mit dem Projekt „A vos côtés“ versuchen wir ein weiteres Element einzubringen, um diese Freude noch größer werden zu lassen. Den Eindruck von Rätin Correia Da Veiga, dass es den Bürgern des Bahnhofsviertels an Leben in ihrem Stadtteil fehle, kann ich daher nicht teilen. Vielmehr sagen mir die Menschen, wie gerne sie dort leben. Alle Bürger, die auf die Dienste von Mitarbeitern des Projektes „A vos côtés“ zurückgreifen, zeigen sich begeistert. Bürgermeisterin LydiePOLFER: Ich freue mich über die breite Unterstützung für diese Konvention. Das Projekt läuft nun seit etwa anderthalb Jahren. Auf eine Sicherheitssituation, die sich im Bahnhofsviertel nicht verbessert hat, hat die Stadt Luxemburg reagiert. Ab Januar 2022 werden 14 „A vos côtés“-Mitarbeiter unterwegs sein. Um auf die Frage von Rätin Brömmel zu antworten: wir haben die Initiative „A vos côtés“ für das Bahnhofsviertel ergriffen, weil es hier ein dringendes Bedürfnis gegeben hat, um diese Kontakte mit den Bürgern und die Präsenz von Ansprechpersonen zu gewährleisten. Die Schlussfolgerungen aus den Diskussionen, die wir vergangenen Mittwoch geführt haben, werden wir ziehen, dies nachdem wir mit dem zuständigen Minister Rücksprache genommen haben. In dieser Diskussion ist ganz klar zum Ausdruck gekommen,

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