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SITZUNG VOM MONTAG, DEM 23. NOVEMBER 2015

DE

Herr Gilles ROD (Déi Gréng):

René Kneip, der frühere Direktor

von „Caritas Accueil et Solidarité“ hat es so formuliert: „Die

meisten Menschen trinken zuhause. Jene, die kein Zuhause

haben, trinken auf der Straße.“ Die Einrichtung „Wet Shelter“

ist demnach das fehlende Glied in der Angebotskette in

Bonneweg, ein Ort, an dem sich Menschen ohne Zuhause –

gewollt oder nicht gewollt – treffen, Alkohol konsumieren,

etwas essen und duschen können. Ich möchte die Stadt für

ihren Mut, ein Sozialcafé zu eröffnen, beglückwünschen. Die

Stadt handelt und verschließt nicht die Augen vor der Realität,

dass es Menschen gibt, die auf der Straße leben und trinken.

Ein gelungenes Beispiel für Solidarität auf dem Gebiet der

Stadt Luxemburg!

Madame Vronny KRIEPS (DP):

Einmal mehr nimmt die Stadt

Luxemburg eine Vorreiterrolle ein. Andere Gemeinden täten

gut daran, ebenfalls sowohl eine „Fixerstuff“ als auch ein

„Wet‑Shelter“ auf ihrem Territorium zu schaffen.

Vorliegende Konvention wird für die Dauer von 5 Monaten

abgeschlossen. Dann soll eine erste Bilanz gezogen und im

Herbst 2016 eine definitive Konvention abgeschlossen werden.

Was geschieht in der Zeit zwischen April und September?

HerrMauriceBAUER (CSV):

Die Einrichtung eines Sozialcafé’s

ist ausdrücklich zu begrüßen. Soll regelmäßig Bilanz gezogen

werden? Werden die Menschen, denen das Angebot gilt,

ermutigt das Sozialcafé aufzusuchen? Wie werden diese

Personen informiert?

Herr Armand DREWS (LSAP):

Die Initiative der Stadt, die

mit der Einrichtung eines Sozialcafé’s Neuland betritt, ist

ausdrücklich zu begrüßen. Die Stadt übernimmt hiermit eine

Vorreiterrolle. Es bleibt zu hoffen, dass andere Gemeinden

dem Beispiel der Stadt nacheifern werden.

Madame Marceline GOERGEN (ADR):

Selbstverständlich

werde auch ich diese Konvention unterstützen. Ganz

besonders möchte ich begrüßen, dass mit dem Projekt auch

auf die Grundbedürfnisse (Essen, Hygiene) der betroffenen

Personen eingegangen wird. Es sind auch Schließfächer

vorhanden, so dass sie keine Angst mehr zu haben brauchen,

beklaut zu werden.

Können auch Personen, die keinen Alkohol konsumieren,

sich im Sozialcafé aufhalten? Sind Hunde zugelassen? In die

Räumlichkeiten der „Stëmm vun der Strooss“ dürfen Hunde

rein.

Herr Joël DELVAUX (d

éi

Lénk):

Die Frage, ob Hunde

zugelassen sind, hat auch mich beschäftigt, verhält es sich

doch oft so, dass der Hund der einzige Partner ist, den diese

Menschen haben und der ihnen wichtig ist. Ganz allgemein

stellt sich die Frage, ob Hunde zugelassen sind, wenn die

Obdachlosen im Winter eine Unterkunft für die Nacht suchen.

Herr Claude RADOUX (DP):

Im Foyer Ulysse gelegen Dernier

Sol darf keinAlkohol konsumiert werden. Es ist jedoch bekannt,

dass die meisten Personen, die hier nachts eine Unterkunft

finden, tagsüber lieber Alkohol als Kaffee oder Tee trinken. Es

freut mich, dass nun ein Lokal im Viertel Bonneweg gefunden

werden konnte, um dort ein „Wet Shelter“ einzurichten. Die

neue Struktur ist im Interesse der Betroffenen, aber auch im

Interesse der Einwohner des Viertels, damit die Obdachlosen

nicht in Hauseingängen rumhängen und in Vorgärten ihre

Notdurft verrichten.

Herr Tom KRIEPS (LSAP):

Studien in den Vereinigten Staaten

und anderen Ländern haben gezeigt, dass so genannte „Wet

Shelter“ auch dahingehend positive Auswirkungen haben, als

die Obdachlosen weniger Alkohol konsumieren als wenn sie

auf der Straße trinken, und sie somit ihrer Gesundheit weniger

schaden.

Madame Schöffe Viviane LOSCHETTER

:

Kleine Hunde

werden im „Wet Shelter“ zugelassen, sofern sie sich ordentlich

benehmen.

Die Konvention wird vorerst für die Dauer von 5 Monaten

abgeschlossen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass wir

Sorge hatten, das Lokal noch vor den Wintermonaten zu

öffnen. Die Obdachlosen dürfen hier Alkohol konsumieren. Es

wird jedoch kein Alkohol verkauft. Es werden Suppen, kleine

Snacks und Säfte angeboten. Der Treffpunkt bietet zudem

die Möglichkeit sich auszutauschen. Es sind Ansprechpartner

vor Ort. Das Sozialcafé ist auch als soziale Maßnahme beim

Umgang mit Bettelei zu sehen. Es lag nahe eine solche

Struktur in Bonneweg einzurichten, weil sich viele Obdachlose

tagsüber hier aufhalten und abends die sich hier befindenden

Übernachtungsstrukturen aufsuchen.

ImMärz kommendenJahreswird eine ersteBilanz gezogen, um

zu sehen, wie viele Personen die Struktur nutzen, zu welchen

Tageszeiten sie sich dort einfinden, ob die Anzahl der Betreuer

ausreicht,..... Die Zeit zwischen April und Herbst werden wir

nutzen, um im ersten und zweiten Stockwerk des Gebäudes

Sozialwohnungen einzurichten, wobei die eine oder andere

Wohnung auch im Rahmen des „Housing First“-Ansatzes

genutzt werden kann, d.h. dass Obdachlose in eine „eigene“

Wohnung ziehen können und ihnen eine bedarfsgerechte

Unterstützung angeboten wird. Das Sozialcafé versteht sich

als pragmatische Antwort auf ein real existierendes Problem.

Madame Vronny KRIEPS (DP):

Werden Personen, welche die

Struktur nutzen, identifiziert, um so anhand der gesammelten

Daten besser auf die sich stellenden Bedürfnisse eingehen zu

können?

Madame Schöffe Viviane LOSCHETTER

:

Wir werden auf den

Weg einer anonymen Statistik gehen.

Herr Gilles ROD (Déi Gréng):

Es freut mich zu hören,

dass kleine Hunde nun doch zugelassen werden. In der

Kommissionssitzung war noch die Rede davon keine Hunde

zuzulassen.

MadameBürgermeister LydiePOLFER

:

Die Information, dass

das Sozialcafé seine Türen öffnen wird, hat die Zielpersonen,

wie ich meine, bereits erreicht, haben sie mir doch letztens

zugerufen, dass sie da sein werden.

Vorliegende Konvention wird einstimmig gutgeheißen.

V KOSTENVORANSCHLÄGE

Umsetzung des Teilbebauungsplanes Creos – Rue Nicolas

Bové in Merl – Straßenbauarbeiten und öffentliche

Infrastrukturarbeiten

Der Gemeinderat ist aufgerufen, einem Kostenvoranschlag in

Höhe von 1.153.000 € (Mehrwertsteuer und Honorarkosten

inklusive) für Straßenbauarbeiten und öffentliche Infrastruk‑

turarbeiten im Rahmen der Umsetzung des Teilbebauungspla‑

nes Creos- Rue Nicolas Bové gutzuheißen. Außerdem ist der

Bau eines Rückhaltebeckens vorgesehen.